2. Sept. 1934

1. Basellandschaftlicher Volkssegelflugtage auf dem Wittinsburger Feld.

«Auf dem Wittinsburger Feld, einem typischen Fleck Oberbaselbieter Erde, von dem aus sich dem Auge eine überwältigende Fernsicht eröffnet, fanden sich am Sonntag über 6000 Menschen ein. Von allen Zufahrtsstrassen ergossen sie sich erwartungsvoll hierher. Im Extrazug nach Sommerau mussten wir hin und zurück mit dem Packwagen vorliebneh­men.»

Vormittag:
Besichtigung der Fluggeräte und Ausrüstung, Reden von Herrn Kauert, Eidg. Luftamt und Regierungspräsident Hilfiker.

Werner Hausmann, der beliebte Reporter und Radiopionier aus Basel, muss zuerst ohne Lautsprecher zum Publikum brüllen, weil der Motor für den Genera­tor nicht anzuspringen «geruht».
„Er sass hoch auf seinem Mikrophonturm inmitten der Menschenflut und war Hahn im Korb. 

Diese Vorzugsstellung inspirierte ihm all die drolligen Sprüche und Bonmots, die er seinen trefflichen Erklärungen und Mitteilungen anzuhängen wusste. Er dirigierte die Blicke tau­send Erdgebundener zum Geschehen am Himmel.»

Zögling & Grunau Baby                                 

Windenstart:

Schon der erste Versuch von Leutnant Sandmeier endet nach elegan­tem Flug mit einer rauhen Landung.

«Nach wunderbar gelungenem Autowindenstart schickte er sich zur Landung an. Da das Flugzeug eine übergrosse Geschwindigkeit hatte und dem nahen Wald zustürmte, sah sich der Pilot genötigt, ausserordentlich stark abzudrehen, was einen Sturz auf die linke Seite zur Folge hatte. Der Flügel wurde total zerschmettert und der Pilot aus dem Führersitz gespickt. Glücklicherweise blieb er heil. Infolge des Zwischenfalls entstand etwelche Ver­zögerung.»

Das Wetter, am Vorabend sehr zweifelhaft, heitert morgens auf, beschert aber den Gästen zum Mittagessen einen kurzen Gewitterschauer, gefolgt von ei­ner Aufhellung mit prächtiger Rundsicht in den Jura.

Nachmittagsprogramm:

Motorflug-Akrobatik von Oberleutnant Ettinger eröffnet das Nachmittagsprogramm.

Vom Wisenberg segelt Pilot Baur und erreicht mit gradlinigem Flug knapp das Feld. Pilot Hessel findet Aufwind und kann längere Zeit viele Kurven und Figuren vollführen.

Rudolf Boehlen, Weltmeister im Fallschirmspringen lässt sich in 600 m Höhe aus dem Motorflugzeug AC 8 100 m frei fallen und landet später in den hohen Wipfeln des nahen Wäldchens.

Roter Teufel
Segler Pektin
Windenstart mit einem Auto als Antrieb

Im Schleppflug wird der Segler Pektin von Birsfelden herangezogen. Am Steuer sitzt Hauptmann Häner. In grosser Höhe wird ausgeklinkt und dem staunen­den Publikum die kühnsten Figuren vorgeführt. Den Motorflieger CH 324 steuert Oberleutnant Ettinger. 

Zum Abschluss Windenstarten mit einer Art Hindernisflug. 

» Die ganze Veranstaltung war, wie von der gesamten Presse bestätigt wurde, ein Voll­treffer. Es war überhaupt die grösste sportliche Veranstaltung dieser Art, welche je im Kan­ton gezeigt wurde.»

Weltmeister Rudolf R. Boehlen

«Nyffenegger und ich sind nun bereits seit einer Stunde unterwegs und bestrebt, immer höher hinaufzukommen. Der Zeiger steht auf 8000 Meter. Langsam dringt furchtbare Kälte in die Kabine. Nyffenegger deutet auf die Benzinuhr. Ich schnalle mir meine Maske vor und atme ruhig. Die Schiebetür ist offen. Ich setze mich, umbraust vom eisigen Luftzug auf die Schwelle und stosse ab. Kopfüber falle ich ins Leere. Todesangst befällt mich und be­raubt mich des Atems. Mich in Seitenlage arbeitend, kann ich über mir den geöffneten Schirm sehen. Gott sei Dank, er ist offen, alles ist in Ordnung und für die nächsten Minuten mein Leben gesichert! Nun stellt sich ein fürchterlicher Druck auf die Brust ein, herrührend von meinem zu satt geschnallten Fallschirmgürtel. Es gelingt nicht, mich etwas zu befreien. Die Hände sind kraftlos und steif gefroren. Ein wunderbares Panorama eröffnet sich mir. Hoffentlich werde ich nicht hinüber ins Aaretal abgetrieben. Dort lauern zu viele Gefah­ren. Nein, ich pendle langsam zurück. Wo und wie werde ich landen? Da sind bedrohliche Felswände. Unter mir erscheint ein kleines Dorf. Kaum kann ich den Augenblick erwarten, der mich von dem furchtbaren Druck erlöst, der mir die Sinne zu rauben droht. Endlich gewinne ich Boden. Auf einer kleinen Wiese setze ich sacht ab. Ich löse die Brustfessel und kann wieder frei atmen. Total erschöpft weine ich vor Freude, dass das kühne Wagnis ge­lungen ist. Jetzt erfahre ich, dass ich nach 23 Minuten in der Nähe von Bennwil gelandet bin. Mit rührender Aufmerksamkeit umgeben mich die herbeigeeilten Dorf-bewohner und Automobilisten.»